Home


Gastfreundliches Kalabrien

San Francesco di Paola
Freundschaftliche Beziehungen zwischen Fellbach und Cariati
Migration
Kirche

Spiritualität

Kontakt / Impressum

  500 Jahre Reiseliteratur und Reiseführer
über Kalabrien

 

Deutsche Reisende in Kalabrien in den vergangenen Jahrhunderten

 

Der italienische Germanist Teodoro Scamardi hat sich die Mühe gemacht, die in deutscher Sprache seit dem 16. Jahrhundert erschienenen Reiseberichte und Reisebeschreibungen über Kalabrien zu sichten.
Dabei zeigen sich Phasen und Tendenzen in der Darstellung Kalabriens aus Sicht der deutschsprachigen Reiseliteratur.

16. Jahrhundert:
Kalabrien, das Land auf der Durchreise


Im späten 16. Jahrhundert bzw. im Barock gibt es eine reichhaltige Reiseliteratur von deutschen Italien-Reisenden. Doch Kalabrien liegt allenfalls am Rande dieses Geschehens. Die Reisenden, meist unterwegs mit Kurs auf Malta, landen nur an den Küsten Kalabriens, um den Stürmen zu entgehen oder um fremdländischen Piraten zu entkommen
.

1783: Die Sensationsreisenden

Doch dieses Desinteresse ändert sich schlagartig:
Mit dem Erdbeben von 1783 zieht die Aufmerksamkeit für Kalabrien merklich an und bewirkt, dass zahlreiche Reisende aus Europa nach Kalabrien kommen, aus dem deutschen Sprachraum beispielsweise Friedrich Münter, Carl Salis von Marschlins, Friedrich Leopold Stolberg, Johann Heinrich Bartels.

Als unvoreingenommener Beobachter der Bräuche, Gewohnheiten und Verhaltensweisen sowie der kommunikativen Struktur eines von ihm besuchten Ortes bemüht sich Johann Heinrich Bartels, das fremde Andere in seiner Besonderheit und Autonomie zu verstehen und zu erfassen.

19. Jahrhundert:
Desinteresse, Hoffnung und Enttäuschung

Ende des 18. Jahrhunderts erfährt die Reise nach Kalabrien einen Einbruch: Die Aufmerksamkeit für die Region hervorgerufen durch das Erdbeben von 1783, lässt schnell nach und weicht einem andauernden Desinteresse.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts registriert man nur die Reise von Justus Tommasini, Geograf und Mathematiker aus Schwerin, der ein extrem realistisches Bild der Region zeichnet.

Teodoro Scamardi

Viaggiatori tedeschi
in Calabria


Dal Grand Tour
al turismo di massa


Verlag Rubbettino
www.rubbettino.it

(1998) 226 S. ISBN: 88-7284-659-5
€. 12,40

Mit großer Aufmerksamkeit gegenüber der sozio-politischen Wirklichkeit in Kalabrien registrieren die deutschen Reisenden der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Marie Espérance von Schwartz, Gerhard von Rath, Waldemar Kaden) einhellig, wie eine große Hoffnung zerbricht:
Nämlich dass die Einigung Italiens in kurzer Zeit die Probleme der Region zu einer Lösung führen könnte.

   


20. / 21. Jahrhundert:
Die große Reisewelle der Deutschen in den 50er-Jahren geht nicht bis Kalabrien

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts profitiert der Süden Italiens von der Italien-Reisewelle der Deutschen kaum. Erst allmählich kommen Bekannte der "Gastarbeiter" zu Besuch in den Süden, später auch deren Kinder und Enkel.

Der Pauschaltourismus beginnt in den 90er-Jahren

Mit Frosch-Reisen in München als Vorreiter beginnt der Pauschaltourismus in Kalabrien, der sich bis heute vor allem auf Tropea und Capo Vaticano konzentriert.

Neue Zeiten - Kalabrien auf der Suche nach Identität

In den 90er-Jahren beginnt - angeregt von innen und außen - eine Entwicklung, die eine Wiederentdeckung der kulturell-geschichtlichen Identität Kalabriens bewirkt. Die EU fördert diese Entwicklung konzeptionell und finanziell und betreibt die systematische Förderung des Tourismus in Kalabrien als Weg aus der Armut.

Die Zahl der neu veröffentlichten Kalabrien-Reiseführer in deutscher Sprache steigt in den Jahren 2000 - 2009 sprunghaft an.

    Kalabrien im Spiegel der deutschsprachigen Reiseführer und Reiseliteratur der letzten 50 Jahre bis heute
   

Ein Buch steht besonders für den Übergang vom "alten" zum "neuen" Kalabrien. Im Jahr 1967 erscheint das von Bettina Seipp verfasste Buch Ungehobener Schatz Kalabrien mit gut 100 Seiten im
Verlag Schnell & Steiner.

Dabei handelt es sich eher um die Eindrücke einer Bildungsreisenden, wie das im Verlag Schnell&Steiner auch kaum anders zu erwarten ist.
In einer kraftvollen Sprache schildert Bettina Seipp ihre Reiseerfahrungen und bringt darin durchweg eine positive Haltung zu Land und Leuten zum Ausdruck. "Eines der schönsten und sonderbarsten Gebiete Italiens, mit vortrefflichen Straßen und guten Hotels, und doch bis heute kaum entdeckt, ist tief im Süden Kalabrien..." Recht klar erkennt sie schon damals die Chance der Region, durch Tourismus aus der Armutsfalle herauszukommen. Vor allem in der 1976 erfolgten Fertigstellung des neuen Flughafens Lamezia Terme und im Bau der Autostrada del Sole bis Reggio, in der zunehmenden Zahl von Hotels und von Straßen, welche die beiden Meere verbinden, sieht sie wesentliche Bedingungen für einen Neuanfang des Tourismus in Kalabrien erfüllt.
Sie bescheinigt dann (auf S. 10 der 2. Auflage) der Region Kalabrien "eine nicht mehr für möglich gehaltene Unabgenutztheit von Mensch und Natur" - eine Formulierung, die Ekkehard Rotter dann in seinem Dumont-Kunstführer aufgreift.

Als Bettina Seipp Kalabrien besucht, waren die Bronzen von Riace noch nicht gefunden. In Locri waren die Ausgrabungen gerade im Gange, und Gerace - heute eine der bestens bewahrten alten Städte Italiens - war in den 60er Jahren offensichtlich "ein Ort mit einer aus allen Winkeln hervorsickernden Untergangsschwermut." (S. 46)
Die durch die Emigration verursachte Überalterung der Bevölkerung von Gerace liegt laut Bettina Seipp über der Stadt als "düstere Wolken, die über dieser Untergangsstätte hängen." Kaum zu glauben, dass sie von dem gleichen Gerace spricht, das heute zu den "Leuchttürmen" der Stadtentwicklung in Kalabrien zählt.
Bettina Seipp's Liebeserklärung an Kalabrien gipfelt dann in ihren Worten auf S. 106, wo sie die 'reisende Welt Europas' auffordert, den 'Schatz Kalabrien' zu heben. "Man sollte Kalabrien endlich lieben. Man muss es lieben. Aber Kalabrien lieben ... heißt auch das kalabresische Volk lieben."

Die Exkurse, in denen Seipp sich auf längere Schilderungen einlässt, beziehen sich vor allem auf historisch bedeutsame Orte der Antike. Die soziale Not der Bevölkerung bleibt trotz einiger Ausführungen zu Emigration usw. abstrakter Hintergrund einer hoffentlich besseren Zukunft. So lässt sie auch die Themen Torre Melissa (Bauernaufstand) und den gesamten Bereich der N'drangheta unerwähnt, möglicherweise auch aus strategischen Gründen, um die alten Vorurteile nicht wieder in den Vordergrund treten zu lassen.

       
    Der Große Polyglott Italien von 1981 orientiert sich noch am alten Sternesystem der Sehenswürdigkeiten. Bei den drei vorgestellten Reiserouten, die Kalabrien betreffen, findet sich keine einzige Sehenswürdigkeit "ersten Ranges" (drei Sterne), und auch die "bedeutenden" Sehenswürdigkeiten sind sparsam vertreten (Sila-Gebirge, Codex Purpureus in Rossano und Museo Nazionale della Magna Graecia in Reggio di Calabria).
Als "sehenswert" (ein Stern) sind immerhin 28 Orte kategorisiert. Interessant dabei ist, dass beispielsweise Paola, Catanzaro, Sibari und Serra San Bruno überhaupt keinen Stern erhalten. Mit dem "Große Polyglott Italien" ist die alte Generation von Reiseführern, die sich an Baedeker orientiert und vor allem auf den kunsthistorisch gebildeten Reisenden abheben, an ihr Ende gekommen.
Immerhin stellen die Verfasser fest, dass sich das Italienbild gewandelt hat: Nord- und Mittelitalien ist durch die Industrialisierung praktisch "europäisiert" und hat damit etwas von seiner Ursprünglichkeit verloren. Hier wird auch das Nord-Südproblem Italiens "mit speziellen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Aspekten" angesprochen. Der Abschnitt über die Mezzogiorno-Problematik entdet mit der klugen Formulierung "Der gesamte italienische Süden befindet sich im Umbruch, wirtschaftlich und sozial."
       
  Mit Hans Bausenhardt's Reisehandbuch Süditalien, erschienen im
Verlag Martin Velbinger 1983
verändert sich die Perspektive. Unbelastet von strengen kulturhistorischen Vorgaben erfährt der (Rucksack)Reisende Land und Leute so wie sie der Verfasser erlebt und in einer teils flapsigen Sprache weitergibt. Jetzt wird die Region nicht mehr einem weltweit gültigen Bewertungssystem unterworfen (bei dem sie eher weniger gut weg kam), sondern die Erfahrung des Reisenden selbst ist der Maßstab der Dinge. Eindrücke - auch subjektive - werden geschildert, Wanderungen werden beschrieben, auch dort, wo noch nie ein Wegweiser stand, mit einem Flair von Abenteuer- und Entdeckertum. Dabei zeigt sich Bausenhardt's Vorliebe für bestimmte Zonen, beispielsweise den Pollino. Mit dem Pollino-Gebirge leitet Bausenhardt die rund 100 Seiten (von ca 400 insgesamt) über Kalabrien ein.
Zur Erscheinungszeit des Reiseführers sind die Bronzekrieger von Riace bereits entdeckt und werden deshalb auch von Bausenhardt erwähnt.
Ausführlich geht Bausenhardt auf die Sozialgeschichte Kalabriens ein (S. 262 und 267) .
Interessant sind die Sicherheitsempfehlungen für Reisende:
In den 80erJahren gab es im Aspromonte einige spektakuläre Entführungen mit Lösegeldforderungen, deshalb war die Vorsicht durchaus berechtigt, beispielsweise, wenn Bausenhardt rät, im Aspromonte nachts nicht unterwegs zu sein und Warnungen von Einheimischen ernst zu nehmen.
Insgesamt hat Bausenhardt einen recht nüchternen und kritischen Blick auf Kalabrien und die Kalabresen.


       
 

Mit dem
Reisehandbuch Kalabrien
- Basilikata
,
erschienen in der ersten Auflage im Jahr 2003, greift
Peter Amann
mit dem
Reise-Knowhow-Verlag

diesen Stil auf und kultiviert ihn. Man merkt Peter Amann an, dass er die Breite der sozialen und kulturellen Wirklichkeit im Blick hat und auch die kleinen Dinge am Rande für wertvoll erachtet. Dafür hat der Reiseführer rund 400 Seiten. Die zahlreichen Exkurse und ausführlichen Zitate machen den Reiseführer zum Lesebuch .
Peter Amann gehört - wie Bettina Seipp - zu den "Überzeugungstätern", die überzeugt sind, dass Kalabrien zu den Schätzen gehört, die unbedingt noch zu entdecken und zu heben sind. Ihm liegt deshalb vor allem daran, den Blick zu weiten auf eine "neue Realität" hin, weg von den alten Stereotypen Mafia, Armut und Unterentwicklung.

In seinem Vorwort - das in der 2008 erschienen farbigen Neuauflage gleichgeblieben ist - schreibt Amann:.

"Der Süden Italiens besitzt Reichtümer, die der wirtschaftlich entwickeltere Norden
längst verloren hat: eine weitgehend intakte Natur, trotz einiger Bausünden eine immer noch traumhafte Küste, genuine landwirtschaftliche Produkte und eine abwechslungsreiche Regionalküche, Weine, die sich immer stärker auch auf dem internationalen Markt behaupten, traditionelles Handwerk, lebendiges Brauchtum und die natürliche Gastfreundschaft seiner Menschen."

Einzelreisende schätzen nicht zuletzt die detaillierten Angaben auch im Kleinen, was den öffentlichen Nahverkehr betrifft.

2012 ist eine vollständig aktualisierte Neuauflage erschienen.


       
   

Ebenfalls 2003 erscheint im
Goldstadt-Verlag
der Reiseführer Kalabrien
von Eckart Diezemann

mit ca 250 Seiten. Auf den ersten Blick fallen die guten Farbfotos auf. Das Buch ist unaufgeregt solide und übersichtlich strukturiert: Es finden sich 16 Themenkästchen, 11 Tourenbeschreibungen und 8 Sehenswürdigkeiten (Scilla - Nationalmuseum Reggio - Pentedattilo - Sibari - Gerace - Stilo - San Marco/Rossano - Isola Bella/Tropea).
Auf den Seiten 14 - 18 bietet Diezemann eine Einführung in Land und Leute, wobei die aus "Die Italiener" von Luigi Barzani zitierte ganzseitige Charakterisierung der Nord- und Süditaliener ein wenig gewagt scheint.
Ganz aktuell spricht Diezemann die neue Herausforderung der afrikanischen und osteuropäischen Einwanderung nach Süditalien und die damit verbundenen Probleme an. Diezemann ringt sich dann am Ende seiner Einführung zu einem Kompliment durch: "Die unglaubliche Schönheit Kalabriens mit seinem kristallklarenMeer, seinen wildromantischen Landschaften, der freundlichen Art seiner Bewohner, der guten Küche und - last but not least - der Sicherheit der Besucher wird der Region zunehmend Wohlstand bescheren - ein Land im Aufbruch."
(S. 19)

  Zwei weitere Reiseführer sind in Umfang und Aufmachung miteinander vergleichbar:
Ilona Wittens Dumont-Reisetaschenbuch Kalabrien
(2001) und der
Reiseführer Kalabrien & Basilikata von Annette Krus-Bonazza
,
erschienen ebenfalls 2001 im Michael-Müller-Verlag.
Anette Krus-Bonazza stellt in ihrem Vorwort fest:
"Kalabrien ... ist zwar keine 'leichte Touristenkost', aber trotzdem oder vielleicht sogar gerade deswegen eine Reise wert. Nicht zuletzt sind es die Begegnungen mit den hier lebenden Menschen, die Freundlichkeit und die als sacra - heilig erachtete Gastfreundschaft, die eine Reise ans 'Ende Italiens' zum unvergesslichen Erlebnis machen."

Welch neuer Ton im Vergleich zu den Reisenden voriger Jahrhunderte, die vor allem die Natur schätzten und die Menschen in Kalabrien allenfalls bedauerten!
Krus-Bonazza tritt darüber hinaus den verbreiteten Vorurteilen vehement entgegen und konstatiert eine gewisse Aufbruchsstimmung in Kalabrien (S. 20) Wie bei Amann sind bei beiden Reisebüchern zahlreiche Exkurse zu wichtigen Themen zu finden, und wie er verzichten beide auf die Sterne-Bewertung von Sehenswürdigkeiten.
 
     
  Und dann gibt es in den letzten Jahren einige kleine Reiseführer für den "Normalverbraucher"  
 

Peter Amann verfasste für Merian live! ein 125 Seiten-Buch Kalabrien , mit den "Merian-Top Ten" und den "Merian-Tipps". Damit kehrt die Sternebewertung von damals für den Normalreisenden in neuer Form zurück.
Zu den "Top Ten" von Kalabrien zählt Amann: Capo Bruzzano - Altomonte - Morano Calabro - Grotta del Romito - Fiumara Amendola - Gerace - Bronzen von Riace im Museo Nazionale in Reggio -Sila - Rossano - Capo Vaticano.
Spezielle Hinweise erfolgen - entsprechend dem Trend - für Familien mit Kindern, die persönlichen Erfahrungen des Autors werden zu (Geheim)"Tipps".

Trotz der Kürze nimmt sich Amann Zeit für ein Vorwort und schreibt auf S.6: <

"... Kalabrien ist auch der menschlich warme Süden Italiens, mit einer Gastfreundschaft, die häufig beschämt. Und schließlich besitzt Kalabrien Reichtümer, die wirtschaftlich entwickeltere Regionen des Nordens längst verloren haben: eine weitgehend intakte Natur, Zeit, Raum und Ruhe."

       
    Ebenfalls aus der Feder von
Peter Amann
stammt der
Marco-Polo-Reiseführer Kalabrien
.
Hier kommt zur Abwechslung der Autor einmal in Interview-Form zu Wort (s.127).
Aus "Top Ten" werden hier nun 15 "Highlights", dabei tauscht Amann einige Sehenswürdigkeiten aus, die er im Merian-live-Büchlein zu den Top Ten gezählt hat. Zusätzlich nennt Amann hier: Raganello - Cosenza - Lungomare in Reggio - Pentedattilo - Stilo und Le Castella. Aus den "Merian-Tipps" werden 15 "Insider-Tipps". Die Aufmachung ist auf ein junges bzw. junggebliebenes Publikum ausgerichtet. Jedesmal von Neuem gerät Amann ins Schwärmen, wenn er über Kalabrien erzählt, hier auf den Seiten 6-11.
       
    Zu den "Kleinen" zählt schließlich auch der
Polyglott ontour
Apulien - Kalabrien
von Monika Pelz

mit 104 Seiten, der dann aber doch mehr über Apulien und weniger über Kalabrien bringt. Monika Pelz bedient sich - in der Knappheit sicher ein hilfreiches Instrument - der alten Sternebewertung der Sehenswürdigkeiten. Trotz einiger guter Exkurse kann vieles in der Kürze nicht oder kaum angesprochen werden.
       
 

Mit dem
Dumont-Kunstreiseführer Kalabrien Basilikata

tritt nun ein absolutes Schwergewicht an.
Ekkehard Rotter
,
Bildungsmensch durch und durch, beginnt sein fast 400 Seiten umfassendes Opus mit einem Zitat von Friedrich Leopold von Stolberg aus dem Jahr 1792, der Kalabrien als "schönste Provinz des schönen Italien" bezeichnet, und das trotz vielschichtiger Erfahrungen dort. Was Stolberg am Ende zu diesem Urteil bewegt, ist die hinreißende Landschaft und die Gastfreundschaft der Menschen.

Rotter schwelgt nun gleich zu Anfang zwei Seiten lang in seiner Schilderung eines "entrückten Europa, eines nicht mehr für möglich gehaltenen Italien."
Neben den allgemeingeschichtlichen und kulturhistorischen Ausführungen nimmt sich Rotter Zeit für erzählende Exkurse und längere Zitate, die das Lesen zum Vergnügen machen. Wenn er religiöse Eigenheiten beschreibt (die uns tatsächlich recht fremd erscheinen mögen) kann er gelegentlich eine gewisse Überheblichkeit des Mitteleuropäers nicht immer verleugnen. Wo Bettina Seipp noch unbefangen bewundert, wird Rotter gelegentlich ironisch.
Das Buch ist tatsächlich ein Meilenstein, weil es gut aufbereitet die Ergebnisse der archäologischen Forschungen der letzten Jahrzehnte in Kalabrien verarbeitet und zugänglich macht. Nicht umsonst wurde es von ENIT (Ital. Tourismusorganisation) im Jahr 2003 zum besten deutschsprachigen Italienreiseführer gewählt.

       
   

Im Jahr 2010 veröffentlicht Ilona Witten ein neues Dumont-Reise-Taschenbuch Kalabrien (€14,95).
Mit 10 Entdeckungstouren setzt sie folgende Schwerpunkte: Guardia Piemontese/Waldenser, Arberia - albanische Kultur in Kalabrien, Lakritze in Rossano, Sibari, Le Castella, Wein in Cirò und Val di Neto, Sarazenentürme Capo Vaticano, Serre/S. Bruno, Ethnografisches Museum Palmi, Lipari-Inseln.
Hervorzuheben ist, dass sie nicht bei der Analyse und Beschreibung der N'drangheta/kalabr. Mafia (S. 68/69) stehen bleibt, sondern ebenso viel Raum den Initiativen im Kampf gegen die Mafia widmet.
Auf neuestem Stand sind nicht nur die touristischen Angaben, sondern auch die Geschichtstafel (S. 42-45)


Ilona Witten - aktuellste Version
   

 

 
    Als Brücke zwischen dem deutschen Sprachraum und Kalabrien ist das regional ausgerichtete Lese- und Reisebuch Sila Greca - Sila Ionica entstanden. Kinder und Enkel der "Gastarbeiter"-Generation können durch dieses Buch mehr erfahren über die ursprüngliche Heimat ihrer Familie. Außerdem eröffnet das Buch dem deutschsprachigen Publikum einen Zugang zur ursprünglichen Schönheit und Gastfreundschaft dieses Landstrichs im Abseits der großen Verkehrs- und Touristenströme. Wie unter einer Lupe wird auch die kleinste Gemeinde in der Sila Greca vorgestellt. Das Besondere des Projekts: Zahlreiche kalabresische Familien, die in Deutschland leben, haben unter der Federführung des Autors Thomas Raiser mit Geschichten, Zeichnungen und Materialsuche zur Entstehung des Buches beigetragen. Für das Buch wurde eigens der Verlag edition semplicità gegründet - es blieb aber bisher auch das einzige Buch des Verlages.
     
       
   

Auch das Buch Ein Europäer aus Kalabrien. Biografisch-spirituell-touristischer Begleiter auf den Spuren von Franziskus von Paola, verfasst von Thomas Raiser, will eine Verbindung schaffen zwischen Kalabrien und dem deutschen Sprachraum. Anknüpfungspunkt ist hier Franz von Paola, dessen Paulanerorden vor rund 500 Jahren auch Klöster in München und Wien hatte, und das Paulanerbier, das nach den Paulanermönchen benannt ist.
Über sein Leben wird in diesem kleinen Buch Historisches und Legendäres spannend erzählt; schließlich galt er als großer "Wundertäter", was in Kalabrien bis heute nachwirkt. Die Sehenswürdigkeiten seiner Heimatstadt Paola sind ausführlich beschrieben. Nicht zuletzt werden eine Wanderung auf den Spuren des kalabresischen Mönchs auf die Höhen des Küstengebirges sowie ein Kochrezept in der Tradition der Paulanermönche vorgestellt. Eine geplante Kooperation mit der Brauerei ließ sich nicht verwirklichen; dennoch lesen sich Lebensgeschichte und Reiseteil unterhaltsam nicht nur für Bierfreunde. Das Buch erschien im Verlag editoriale progetto 2000 in Cosenza/Kalabrien und wurde wegen seines hohen Informationswerts von der Region Kalabrien finanziell unterstützt. Im Reiseführer Kalabrien-Basilikata von Annette Krus-Bonazza als Lektüre empfohlen für alle, die sich für Paola und die Paulaner interessieren.

       
       
   

Schon lange in Arbeit, sehnsüchtig erwartet und jetzt endlich erschienen: Mit dem
Rother-Wanderführer Kalabrien
beginnt eine neue Epoche für Urlauber und insbesondere für Wanderfreundinnen und - freunde aus dem deutschsprachigen Raum.

- zur ausführlichen Besprechung -

       
    Im Jahr 2015 ist eine dritte völlig neu überarbeitete Auflage von Ilona Wittens Dumont-Führer Kalabrien erschienen.
Er ist nicht nur aktueller, sondern mit 40 Seiten mehr auch umfangreicher als sein Vorläufer, und auch die Themen haben sich weiterentwickelt. Ilona Witten zeigt mit schönen Fotos versehen ihre "Lieblingsplätze" und nennt schon auf dem Umschlag als zehn Highlights Guardia Piemontese, die albanische Kultur in Kalabrien, das Lakritzmuseum in Rossano, Sibari - Ausgrabungen und Museum, die Festung Le Castella, Weinbau in Cirò und dem Neto-Tal, die Sarazenentürme von Capo Vaticano, auf den Spuren des hl. Bruno in den Serre, Bräuche und Feste bzw. ethnografisches Museum Palmi und Lipari-Insel.
       
   

Im Jahr 2016 erschien nun der Reiseführer von Annette Krus-Bonazza im Michael-Müller-Verlag in 6. und ganz neu überarbeiteter Auflage. Von den rund 340 Seiten (Zum Vergleich: Die 1. Auflage 2001 umfasste 100 Seiten weniger) befassen sich ca 180 Seiten mit Kalabrien. Gleich nach dem Inhaltsverzeichnis gibt Annette Krus-Bonazza einen kleinen Überblick über die Besonderheiten der verschiedenen Provinzen. Neu ist, dass auch Orte in Ostkalabrien, die bisher nicht im Rampenlicht standen, mehr Berücksichtigung finden wie zum Beispiel Cirò S. 279, Torre Melissa-Strongoli und nicht zuletzt Cariati, das erstmals in einem deutschsprachigen Reiseführer eine ganze Seite erhält (S. 212). Ausführlich auch die Doppelseite über den Schriftsteller Carmine Abate S. 284+285.

     
    Nachdem in den Jahren 2000 bis 2010 eine ganze Reihe neuer Kalabrien-Führer erschienen ist, sind seit 2010 nur aktualisierte Neuauflagen einiger bereits vorliegender Reiseführer sowie der Rother-Wanderführer Kalabrien zu registrieren; über Kalabrien scheint offensichtlich das Notwendige vorerst gesagt bzw. geschrieben. Die Neuauflagen zeigen aber auch, dass Kalabrien im deutschsprachigen Raum auf zunehmendes Interesse stößt.
 

 



Thomas Raiser