| Sila Greca Franz von Paola
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Unsere
Seelsorgeeinheiten* - Heimat für alle? In der Frage, wie zugewanderte Katholiken in die Seelsorge eingegliedert werden können, ist die Diözese Rottenburg - Stuttgart mit der Errichtung zahlreicher muttersprachlicher Gemeinde einen viel beachteten eigenen Weg gegangen. 1. Muttersprachliche Gemeinden und Ortsgemeinden Die Entstehung
bzw. Errichtung muttersprachlicher Gemeinden ist in der Diözese Rottenburg Stuttgart praktisch abgeschlossen. Damit
ist ein spannender Prozess eingeleitet, der von seinem Ziel her für
Deutsche und Ausländer gleichermaßen Identität und Integration
ermöglichen soll. Veränderung ist immer eine spannende und
zugleich bedrohliche Sache. Neues wird leichter, wenn Einheimische (Ortsgemeinden)
und Zugewanderte (muttersprachliche Gemeinden) auf einander zugehen. Die „Eltern“
der muttersprachlichen Gemeinden sind die Missionen. In den Rahmenrichtlinien, die 2008 in revidierter Form herausgegeben wurden, gibt es Elemente, welche die Eigenart der muttersprachlichen Gemeinden bewahren und schützen. 3. Die sollen sich halt anpassen Es kann einen qualitativen Schub in der Seelsorge bedeuten, wenn Gemeinden, diözesane Einrichtungen und Verbände die veränderte Situation wahrnehmen und die Chancen erkennen, die darin liegen. Die neue Struktur bedeutet nicht, dass die Ausländerseelsorge einfach in vorhandene Strukturen integriert wird. Vielmehr ist wichtig zu fragen, in welcher Situation die ausländischen Familien leben und glauben und welche Formen der Seelsorge bereits in den Missionen erfolgreich praktiziert worden sind. Ein Beispiel: In den italienischen Gemeinden gibt es z.B. das Oratorio, eine familien-integrierende Form von Gemeinschaft usw. Das Miteinander der Gemeinden hat zugenommen, das gegenseitige Lernen voneinander hält damit aber nicht immer Schritt. 4. Begegnung fördern mit System Tatsächlich gibt es in den Ortsgemeinden eine große Aufnahmebereitschaft auf die ausländischen Gemeindemitglieder hin. Es gibt aber auch Ängste vor Überfremdung und Veränderung. Fortschritte im Miteinander bzw. friedlichen Nebeneinander gibt es dort, wo die Begegnung und das Kennen- und Schätzenlernen der Gemeindemitglieder, insbesondere der Verantwortlichen (KGR, Katecheten, Lektoren, Kommunionhelfer, Leiter von Gruppen) systematisch gefördert wird. Einige gemeinsame Gottesdienste im Jahr und die Pizza beim Gemeindefest können ein Anfang sein. Gemeinsame Treffen, Klausurtage, Fortbildungen, Wallfahrten könnten das Begonnene weiterführen. 5. Keine Gast-Katholiken mehr Bei der Bildung
der muttersprachlichen Gemeinden geht es auch um Räume. „sich
daheim fühlen“ hängt auch mit Räumen zusammen,
die eine muttersprachliche Gemeinde zu ihrer (fast) ausschließlichen
Verfügung hat. Wer jahrzehntelang Gast in Kirchen und Sälen
war, der kennt viele offene Türen und Gastfreundlichkeit, aber
auch Einschränkungen und Willkür, die mit Gästen geschehen
können. Eine sehr heikle
Frage ist die Mitgestaltung der von muttersprachlichen Gemeinden mit
genutzten Kirchen und Räume. Wenn die Vernetzung zwischen den muttersprachlichen
Gemeinden und den anderen Pfarreien in den Seelsorgeeinheiten dichter
wird, dann ist es auch angemessen, dass die muttersprachliche Gemeinde
die Gestaltung „ihrer“ Kirche bzw. Räume mitbestimmt
– natürlich in Absprache und in angemessener (z.B. künstlerischer)
Weise. Ohne Kompromisse wird das nicht möglich sein. Das war damals
bei der Ankunft von Millionen Vertriebenen in unserer Diözese auch
nicht anders. 6. Sparen und Gewinnen Die Ausstattung
der muttersprachlichen Gemeinden mit Geld ist nicht üppig. Die revidierten Richtlinien für die muttersprachlichen Gemeinden sehen aber vor, bei besonderen Belastungen eine Umlage in Seelsorgeeinheit oder Dekanat zugunsten der Notwendigkeiten der mutterspr. Gemeinde zu tätigen. In manchen
Fällen kann mit den örtlichen Pfarreien eine Absprache getroffen
werden. Wenn das Armutsrisiko für ausländische Familien vergleichsweise
höher ist, dann ist das eine Anfrage an die örtliche Pfarrcaritas
(und ihr Geld). Wenn in der muttersprachlichen Gemeinde Sprachkurse
angeboten werden, dann kann sich auch die Ortsgemeinde finanziell beteiligen. Über die Bildungswerke und das Bischöfliche Jugendamt sind Zuschüsse möglich; allerdings passen die geforderten Zwecke nicht immer zur pastoralen Wirklichkeit. 7. Pisa und Gemeinde Pisa hat nachgewiesen, was wir schon gewusst haben: Ausländische Kinder und Jugendliche, Mitglieder unserer Kirchengemeinden, haben massiv weniger Bildungschancen. Die Wahrscheinlichkeit für ausländische Kinder in Baden-Württemberg, die Förderschule zu besuchen, lag im Jahr 2000 um das 3,6fache über dem der deutschen Kinder. Ausländische Familien sind von Notsituationen stärker bedroht. Im Zusammenhang mit Kinderarmut sind Ausländerkinder neben Kindern von Alleinerziehenden die am meisten betroffene Gruppe. Es geht hier um eine wesentliche soziale Frage, vor der unsere Diözese steht, wenn man von den Nöten in andern Teilen der Welt absieht. Die zahlreichen kirchlichen Schulen der Diözese haben bisher die ausländischen katholischen Kinder und Jugendlichen leider noch nicht als Zielgruppe ihrer profilierten pädagogischen Arbeit entdeckt. 8. Wie weiterkommen? Natürlich
hat jede/r pastorale Mitarbeiter/in schon Erfahrungen mit ausländischen
Familien gemacht. Im Bereich der diözesanen Einrichtungen trifft
dies überwiegend ebenso zu. *Anmerkung: Unter Seelsorgeeinheiten versteht man einen Zusammenschluss von mehreren benachbarten Kirchengemeinden zu einer strukturellen Einheit. (Aktualisiert im August 2009) _____________________________________________________________________________________ Thomas Raiser ______________________________________________________________________ Richtlinien für die Pastoral mit Katholiken anderer Muttersprache in den Seelsorgeeinheiten der Diözese Rottenburg Stuttgart italienische Fassung 2008/2009
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