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Migration und Seelsorge

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Don Egidio Viganò

Der präventive Ansatz in der Pädagogik Don Bosco's

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Einführung

Don Bosco war ganz wesentlich ein Mensch der Tat. Jahrelang versuchten seine Mitarbeiter aus ihm schriftliche Impulse herauszupressen, bis sie schließlich1877, 11 Jahre vor seinem Tod, von Don Bosco 7 Seiten unter der Überschrift "Der präventive Ansatz in der Erziehung der Jugend" erhielten.

Sein Tun bezieht sich auf die wesentlichen Anliegen dessen, was als "pädagogisches Zeitalter" bezeichnet wurde. Er konnte nicht mit den großen pädagogischen Theoretikern mithalten; um so bemerkenswerter ist, wie sein Ruf und seine Methoden über konfessionelle und nationale Grenzen hinaus auch im nichtchristlichen Kontext überall in der Welt geschätzt wurden.

Seine Größe scheint in einigen charakteristischen Elementen zu liegen, die sich heute in verschiedenen Erziehungsansätzen wieder finden, die aber zur Zeit Don Boscos eine wirkliche Neuheit bedeuteten.

1. Der "ganze" Jugendliche

Die Pädagogik von Don Bosco sieht den Jugendlichen von seinem eigenen Interesse her. Wesentlich sind Spiel und Zeitvertreib (Sport und Umtrieb in den Zentren der Salesianer), laute und bewegte "ricreazione". Man greift die Neigung der Jugendlichen zu Theater, Musik, Animation auf: "Liebt die Dinge, die auch die Jugendlichen lieben!" sagte er wiederholt seinen Betreuern. Den Jugendlichen wird die Möglichkeit des lernens geboten; einen Beruf zu erlernen, mit dem man seinen Lebensunterhalt verdienen und ein "ehrenhafter Bürger" sein kann.Und: Don Bosco lag am Herzen auch "das Seelenheil" des Jugendlichen, der ihm begegnete, ihn zum christlichen Sinn der Existenz hinzuführen, ihm die "Religion" anzubieten für eine vollkommenere Freude, denn "Ich erwarte euch alle im Paradies!" Er fasste das Ganze zusammen in drei Worten, den "drei S": salute, scienzia, santità, was wir beschreiben können mit den menschlichen, kulturellen und spirituellen Interessen, harmonisch zusammengefügt in der Person des Jugendlichen..

2. Optimismus

"Nie habe ich einen Jugendlichen kennengelernt, der nicht einen Punkt in sich trug, der für das Gute zugänglich gewesen wäre; habe ich davon Gebrauch gemacht, habe ich um Vieles mehr empfangen als ich zu wünschen wagte!" Don Bosco sieht auf den Jugendlichen mit Sympathie: "Es genügt, dass ihr Jugendliche seid, damit ich euch so sehr liebe." Er schafft quasi zwischen Erziehendem und zu Erziehendem einen kommunikativen Kanal, der allmählich die Übermittlung von Werten erlaubt. Also ein realistischer Optimismus, der dem in jedem Jugendlichen vorhandenen Positiven Rechnung trägt, der erzieherisch wirkt, weil er eine harmonische Persönlichkeit schafft, fähig, in sich selber die Werte von Leben und Glauben zu verbinden, ein Optimismus, der aber auch weiß, wie man mit den verderblichen Elementen, die dem Herzen des Jugendlichen entspringen, sowie schlechten Einflüssen der vorhergehenden Erziehung und der Gesellschaft umgeht. Die "Vernunft" seines Ansatzes besteht vor allem darin, auf die guten Kräfte in einer Person zu vertrauen. Die Erziehung hat die Aufgabe, wachsen und reifen zu lassen.

3. Glaube und Erziehung

Don Bosco wurde in seiner ganzen Tätigkeit mit Jugendlichen von einer einzigen Idee beseelt: "Die Erziehung kann die Geschichte verändern." Dafür hat er sein Leben gegeben. Vom Erziehenden schreibt er: "Er ist ein Individuum, das sich dem Wohl der ihm anvertrauten Jugendlichen weiht. Deshalb muss er bereit sein, sich jeder Störung zu stellen, jeder Mühe, um seinem Ziel zu folgen, welches die bürgerliche, moralische und wissensmäßige Erziehung seiner Zöglinge ist." Die Erziehung ist jener interpersonale Vorgang, der als Ziel die Bildung "guter Christen und ehrlicher Staatsbürger" hat. Er erzieht nicht, indem er die Freiheit einsperrt, sondern indem er den Jugendlichen hilft, sie gut einzusetzen, und dazu braucht es
+ erziehende Kompetenz,
+ Liebe zu einem vertieften Leben,
+ eine positive Sicht auf sich selbst und auf andere,
+ eine Passion für die Jugendlichen.

4. Wirkliche Prävention

Der Begriff der Prävention wird heute vor allem negativ benutzt: Das bedeutet, dem Jugendlichen die Erfahrungen möglichst ersparen, die sein Wachstum ernsthaft gefährden könnten. Die Instrumente bieten, die es den Jugendlichen ermöglichen, sich dem Leben mit all seinen Schwierigkeiten und Widersprüchen in eigenständiger Weise zu stellen, ein Ambiente zu schaffen, in dem die Werte, die vermittelt werden wollen, am Beispiel/Vorbild sichtbar und wahrnehmbar sind.
Dere Begriff der Prävention besitzt aber auch eine positive Seite: Es geht nicht nur um die Vorbeugung vor Schlechtem, um zerstörende Effekte in der Erziehung zu vermeiden, sondern auch darum, das Gute vorbeugend zu behandeln, in dem Sinne, dass es hervortreten kann im Laufe eines Weges, der auf drei Ebenen verläuft:
a) In sich selber und im Jugendlichen eine ausreichende Energie wahrnehmen, die ihn zur Autonomie führt (Optimismus)
b) Den Willen freilegen, sich auf einen Weg zu begeben, sich aufzubauen, und dafür Beispiel zu sein.
c) Dem Jugendlichen helfen, sich seiner positiven Qualitäten bewusst zu werden und ihm gleichzeitig konkrete Möglichkeiten anzubieten, wie sich diese in ihrer ganzen Wirkmächtigkeit explosiv entfalten können.

5. Die Liebe als Zentrum der Erziehung

"Man erzieht nur in dem Maß, in dem man liebt", sagen heute viele Pädagogen. Don Bosco bestätigt das: "Erziehung ist Herzenssache." Und: Die Praxis dieses Ansatzes ist angelehnt an die Worte des Paulus "Die Liebe ist wohlwollend und geduldig, sie erleidet alles, sie hofft alles und trägt alles." Don Bosco ist überzeugt, dass nur Gott die Kunst lehren kann, so zu lieben wie ER und dass nur Gott Erziehung lehren kann. Von daher ist die Bedeutung der Religion in seinem erzieherischen Ansatz zu erklären. Erziehung bedeutet, das tatsächliche Wohl des Jugendlichen zu wollen, und der erste Schritt dazu bedeutet, ihm Freund zu sein, "sein Herz zu verdienen".
In einem berühmten Brief von Don Bosco, geschrieben an die Salesianer von Rom im Jahr 1884, liest man:
"Wer weiß, wie das ist, geliebt zu werden, der liebt selber. Und wer geliebt wird, der empfängt alles, besonders von Jugendlichen. Es genügt nicht, die Jugendlichen zu lieben; es ist vielmehr notwendig, dass sie auch bemerken, dass sie geliebt werden."
Viele Jahre zuvor hatte er in einem Traum einen präzisen Rat erhalten: "Nicht mit Schlägen, sondern mit Beharrlichkeit und Liebe muss man das Herz der Jugendlichen verdienen." Es ist eine Liebe, die von der Hingabe weiß: Der Erzieher ist "ganz dem Wohl seiner ihm Anvertrauten hingegeben.", also fähig, ihm alles zu geben, selbst das Leben.

Schlussfolgerung

Die Aktualität dieses pädagogischen Ansatzes, der sich auf Don Bosco bezieht, scheint heute noch notwendiger zu sein als vor hundert Jahren. Erziehung ist eine anstrengende Aufgabe, schon immer, wobei Erfolge und Enttäuschungen sich abwechseln. Es gibt keine fertigen Konzepte, denn man muss mit der Einzigartigkeit einer jeden menschlichen Person rechnen. Don Bosco's pädagogischer Ansatz beruht auf der Überzeugung, dass das Gute in jedem Subjekt ein so großer Wert ist, dass es sich lohnt dafür "das Leben zu geben".

Der Originaltext findet sich in italienischer Sprache unter
http://www.retecivica.trieste.it/oratoriodonbosco/pagine/oratorio.htm)

 

Buchtip

Monika Scheidler
Interkulturelles Lernen in der Gemeinde
zur Besprechung

 

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