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| Carmine Abate in Carfizzi |
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Carmine Abate ist der einzige ernstzunehmende aus Kalabrien stammende Autor, der auch in Deutschland oft und gern gelesen und in sämtlichen neueren Kalabrien-Reiseführern als Reiseliteratur empfohlen wird. Zwei seiner Bücher sind ins Deutsche übersetzt und bei Piper erschienen: „Ballo Tondo“ habe ich schon vor vielen Jahren auf Empfehlung eines Reiseführers gelesen, dann versehentlich unter dem veränderten Titel „Hochzeitstanz“ nochmals gekauft. Später gab es dann sein zweites Buch in deutscher Sprache, „Der Geschmack wilder Feigen“ (im Original: "La Moto di Scanderbeg", also: Das Motorrad von Skanderbeg).
Leider sind seine Bücher "Il mosaico del tempo grande" (Mosaik der großen Zeit) und "Tra due Mari" sowie einige weitere Bücher bisher nicht auf deutsch herausgegeben, ein Manko für alle deutschsprachigen Kalabrienliebhaber.
So wie "Hochzeitstanz" und "Der Geschmack wilder Feigen" ist auch die ebenso spannende Handlung von "Il mosaico del tempo grande" mit der Flucht der Albaner nach Kalabrien und dem Schicksal ihrer Nachfahren im Süden Italiens eng verwoben. Wie ein Mosaik fügt sich Stein um Stein des Lebens zusammen.
Ebenso begeistert las ich "Tra due mari". Das Buch handelt vom Schicksal des Landguts "Fondato dei Fichi" an der engsten Stelle von Kalabrien, wo ionisches und tyrrhenisches Meer gleichermaßen zu sehen sind. Über drei Generationen wird der Faden gesponnen. Alexandre Dumas soll dort sich auf einer Reise aufgehalten haben. Das unterhaltsame Buch erinnert an die Bildungsreisenden vergangener und heutiger Zeiten und ihre Begegnungen mit den Menschen in Kalabrien |
Homepage von Carmine Abate
mit zahlreichen Rezensionen
(in it.)
Artikel (in deutscher Sprache)
über Carmine Abate
und insbesondere
über sein Buch
"Tra due Mari" |
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Cataldo Perri und Carmine Abate |
Erstmals hatte ich nun im Sommer 2010 Gelegenheit, Carmine Abate persönlich zu erleben, dazu in seinem Heimatort Carfizzi rund 20 km von Cirò und ca 30 km von Crotone entfernt.
Von Cariati bin ich am späten Vormittag nach Crotone gefahren. Als ich mit dem Zug ankomme, ist der Bus von Romano ins Stadtzentrum gerade abgefahren; die Busse der Firma Romano fahren gewöhnlich vom Sitz der Firma in der via Ruffo im 1,5 km vom Bahnhof entfernten Stadtzentrum ab. Doch nach ca 600 m Weg Richtung Crotone Zentrum wird gerade ein neuer Busbahnhof errichtet, und dort erfahre ich, dass der Bus nach Carfizzi dort vorbeifährt und eine Einsteigemöglichkeit besteht.
Der richtige Bus kommt dann auch tatsächlich um 13.30 Uhr und hat als Ziel Pallagonio – Carfizzi. Für 2,53 Euro komme ich über Cirò nach Carfizzi – hätte mir also den Weg nach Crotone sparen können, aber das gab der Internet-Fahrplan des Busunternehmens Romano nicht her. In Cirò hält der Bus an der Piazza Kennedy im Zentrum sowie am Kreisverkehr gleich unterhalb der Staatsstraße 106. |
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Um ca 14.15 Uhr geht’s nun von Cirò nach Carfizzi hoch. Die Landschaft ist vielfältig, Olivenhügel, gelegentliche Felder und dazwischen Ödland und das leuchtende Hell von erodierten Hügeln.
Immer wieder gibt es auch Wein, denn Carfizzi liegt noch im weiteren Einzugsgebiet von Cirò, dem wohl bekanntesten Weinbaugebiet Kalabriens. Den alten Ort Cirò Superiore sieht man nun auf der Fahrt von der Rückseite, ein ungewohnter Anblick, der das Städtchen noch beeindruckender erscheinen lässt. |
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Der Ortseingang von Carfizzi |
| Und dann Carfizzi: Das Dorf zieht sich über einen Hügel, eher unspektakulär. Straßen, die gut hergerichtet sind, sauber renovierte Häuser fallen auf, und wenn man durchs Dorf bis ans Ende hindurchgeht, gibt es einen freundlich gestalteten Aussichtspunkt mit Kriegerdenkmal und Sitzmöglichkeiten. |
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Carfizzi, von der Straße nach S. Nicola in Alto aus gesehen |
Ein Adlerrelief und die zweisprachig aufgeführten Straßennamen erinnern daran, dass Carfizzi einer der Orte der albanischen Minderheit in Kalabrien ist. |
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| Die Pfarrkirche ist ästhetisch schön auf traditionelle Weise eingerichtet; man feiert zur Zeit das Fest der Schutzpatronin S. Veneranda, die als Statue mit Krone und rotem Gewand den Altarraum auf der rechten Seite beherrscht. Im Eingangsbereich stehen Tische mit Kuchen und anderen Lebensmitteln. Die Kirche zeigt auf den ersten Blick keine ausgesprochenen Hinweise auf die albanische und damit ostkirchliche Vergangenheit des Ortes und seiner Bewohner. |
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Die Ortsheilige S. Veneranda in den Tagen ihres Festes |
In der Bar erzählen die alten Männer von ihrer Zeit in Ludwigshafen, bei BASF. "Das Besondere bei uns hier ist, dass alle freundlich sind!" sagt einer. Das lässt sich kaum bestreiten.
Ein Spaziergang führt mich abwärts zum Santuario S. Antonio; einem kleinen Kirchlein unterhalb des Ortes; direkt daneben hält ein Schwein in einem Holzverschlag seinen Mittagschlaf. |
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Santuario S. Antonio |
Gegen später ist Gottesdienst in der Pfarrkirche, mit Taufe und Erstkomunion eines 9jährigen Jungen im weißen Gewand, der mit seiner Familie in Urlaub bei den Großeltern ist. Mit einer weißen Lilie in den Händen betritt er, gefolgt von seinen Verwandten, die Kirche.
Im Anfiteatro Communale, das aus Backsteinen errichtet ist, wird die Anlage für den Abend aufgebaut. Ich werde noch etwas essen, bevor um 21.30 Uhr das „spettacolo“ mit Cataldo Perri’s Musikgruppe "Lo Squinetto" und der Lesung mit Carmine Abate beginnt. Außer den gebratenen Hühnern von zwei Metzgereien gibt es noch ein Lokal, das zugleich als albanischer Club dient, aber nur am Wochenende bewirtschaftet ist.
Da bleibt nur noch die Pizzeria „Event“ an der Straße Richtung S. Nicola in Alto, rund 1,5 km weit vom Ort entfernt. Jetzt, um 19 Uhr , bin ich noch viel zu früh dran; die gestresste Chefin vertröstet mich auf später, das ist ein Glücksfall, sonst hätte ich das Freizeitgelände samt Wanderwege-Netz oberhalb nicht entdeckt. Für die Wanderwege empfiehlt sich, nicht die Zufahrt zu den Sportplätzen bzw. zu der Privatklink zu nehmen, sondern einen der weiter oben von der Straße abgehenden Wege zum „parco“ zu nehmen. Große Schilder zeigen die Wanderwege, die durch den Waldhang zu den früheren Mühlen führen, von denen es im Tal wohl viele gab.
Gegenüber der ersten Parkzufahrt liegt ein kleines Picknickgebiet mit einer schön gefassten Quelle mit Trinkwasser.
Zurück im „Event“ brauche ich nicht lange auf die leckere Pizza zu warten, während der 7jährige Sohn des Hauses mit erzählt, dass es in der örtlichen Schule in Carfizzi drei Lehrer und nicht gerade viele Schülerinnen und Schüler gibt.
Die Vorstellung im Anfitatro beginnt schließlich gegen 22.15 Uhr, das haben die Einheimischen wohl geahnt. Während die Musiker ihre Instrumente stimmen und sich einspielen, erscheint auch Carmine Abate, diesmal in Begleitung eines jungen Afghanen, der an diesem Abend ebenfalls aus Notizen über seine Fluchtgeschichte nach Italien lesen wird. Er wohnt seit drei Jahren in einer Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge, die sich in Carfizzi befindet.
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Carmine Abate ist noch immer wirklich daheim in Carfizzi, das spürt man; der Erfolg hat ihn offensichtlich nicht abheben lassen; er ist für die Leute von Carfizzi einer der Ihren geblieben. Hier begrüßt ihn der Bürgermeister von Carfizzi. |
Mit Cataldo Perri und seinen Musikern ist Carmine Abate ein eingespieltes Team; beide verbindet, dass sie ihre ganze Kraft einsetzen, um für ihre Zuhörer die Seele Kalabriens spürbar werden zu lassen.
Vivere in Addizione – ist der Titel des Buches, das neu erschienen ist und aus dem Carmine Abate an diesem Abend liest. Und die Anwesenden ergreift eine Ahnung, was es bedeutet, "in Addition zu leben", der eigenen gewachsenen Identität immer neue Facetten des Lebens hinzuzufügen, wie das in Situationen der Emigration freiwillig oder unfreiwillig geschieht. |
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Der Abend klingt aus mit Tarantella – schließlich ist Cataldo Perri neben seinem Beruf als Arzt und seiner Tätigkeit als Musiker sowie seiner Eigenschaft als Ehegatte und Familienvater - noch immer Vizebürgermeister von Cariati, der Stadt, die sich „Citta della Tarantella“ nennt.
Zum Ausklang geht es um halb eins wieder in die einzige Pizzeria „Event“, wo sich gerade die Gäste der Taufgesellschaft auf den Weg machen. Dabei ist auch Carmine Abate’s Frau Meike Behrmann, sowie einige Freundinnen und Freunde, vor allem aus Cariati. |
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Um drei Uhr nachts sind wir zurück in Cariati, diesmal mit dem Auto. Morgen geht’s nach Rocca Imperiale, wo Carmine Abate und Cataldo Perri von Neuem das „Leben in Addition“ entfalten. Einige
der Musiker beginnen um 8 Uhr mit ihrer beruflichen Arbeit ...
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